Lyon, die Rosenhauptstadt

Lyon, France - Panoramic View of Vieux Lyon, Saone River and Fou

Der ist groß, der dem Garten treu ist

– Antoine de Saint-Exupéry, geboren in Lyon        

Am 20 Juni 2011 hat die französische Stadt Lyon das sogenannte „Fresko der Rosen“ eingeweiht, ein Wandgemälde am ehemaligen Sitz der Französischen Gesellschaft der Alten Rosen. Das Wandgemälde soll nicht nur an der Gründung der Gesellschaft im Jahr 1995 erinnern, sondern auch daran, dass diese Stadt einst als die Welthauptstadt der Rosen galt. Die obere Fläche des Wandgemäldes ist vier Rosen der Stadt gewidmet. Sicherlich keine leichte Entscheidung, denn in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts hat Lyon jedes Jahr etwa über 40 Rosen hervorgebracht. Die untere Hälfte des Wandgemäldes stellt die Geschichte und die Arbeit der Rosenzüchter im Detail dar. Das Rosenfresco soll Teil eines Freskenparcours werden, das den Rosen gewidmet ist.

Lyon war im 19 Jahrhundert die Rosenhauptstadt der Welt. Aber davon wissen die heutigen Bewohnern der Stadt recht wenig. Grund hierfür ist, dass die Urbanisierung nach dem Zweiten Weltkrieg die Rose oder zumindest ihre Zucht aus Lyon ins Umland vertrieben hat.

Die erste Ehefrau von Napoleon Bonaparte trug zur Popularisierung der Rose in Frankreich bei. In der Tat ist es ihr persönlich zu verdanken, dass Lyon sich so um die Rosenzüchtung verdient gemacht hat.  Denn Josephine de Beauharnais, die Lyon recht gerne mochte, bot dem dortigen botanischen Garten exotische Pflanzen und zahlreiche Rosenarten an. Wie der Zufall es wollte, eignete sich das Klima und der Boden von Lyon vorzüglich für die Rose.

Zwischen 1850 und 1940 investieren zahlreiche Züchter, die sich in Lyon niederlassen in Innovation,  Recherche und Geduld. Denn eine neue Rose braucht etwa 6 bis 8 Jahre für ihre Entwicklung. Die Stadt blüht zwischen 1860 und 1914 zu einem regelrechten Züchtungsstandort auf. Namen wie Emile Plantier, der 1835 die erste Lyoneser Rose „Eugénie Desgaches“ gezüchtet hat, François Lacharme, der eine Rose der Salon-Gastgeberin und gebürtigen Lyonserin „Madame Récamier“ widmete (berühmter durch ein Gemälde auf einem Sofa im Louvre Museum, als für die nach ihr genannten Rose), Jean Beluze, der 1843 die schöne vollblütige und zartrosae „Souvenir de la Malmaison“ kreierte, oder etwa Antoine Nérard à Vaise, der 1846 „le Géant des batailles“, eine der ersten Remontantrosen züchtete, die Kälteresistent ist und über die ganze Saison hinweg blüht.

Aber was, oder besser wer, Lyon wirklich zur Hauptstadt der Rosen machte, war Jean-Baptiste Guillot junior. Er erreichte dies mit der Erfindung einer neuen Methode zur Züchtung, die bald weltweit übernommen wurde: die Propfen-Veredelung auf dem Wurzelhals der Heckenrose. Aber damit nicht genug, er schaffte die Trennung zwischen Historischen und Modernen Rosen, indem er die erste belegte Teehybride „La France“ züchtete. Dann setzte er noch die Krone auf mit der Züchtung der ersten Polyantha-Miniaturrosen. Einer seiner Zeitgenossen tat das seine dazu. Joseph Pernet züchtete die rosafarbene „Mme Caroline Testout“, einer namhaften Pariser Modeschöpferin gewidmet. Die Stadt Portland in den USA bestellte bei ihm 10000 Rosenbüsche und bepflanzte mit ihr die Straßen der Stadt. Bis heute kann man die „Mme Caroline Testout“ an manchen Straßen von Portland sehen. David Austin, berühmt für seine nostalgischen Rosen nahm die “Mme Caroline Testout“ als Zuchtgrund für seine frühen Rosen.

In der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts sind von 80 neuen Rosen, die in der Welt gezüchtet werden, mehr als die Hälfte aus Lyon. Aber damit nicht genug, sie bauten eine Kunsthochschule, in der Maler sich auf Rosen spezialisierten . Insgesamt 70 Rosenmaler hatte die Stadt zu diesem Zeitpunkt. Manchmal malte der Maler die Rosen und die Züchter benannte eine neue Rose nach dem Maler, wie etwa die „Simon Saint-Jean » von Jean Liabaud.

Die Liste der Züchter und ihrer berühmten Rosen aus Lyon ist lang, sehr lang. Sicherlich werden wir im Blog an anderer Stelle erneut auf sie zurück kommen. „Rose oblige“, kann man da nur sagen.

Die Geschichte der Stadt ist von Duft und der Farbe der Rosen geprägt, oder vielmehr vom Startum der erfinderischen Rosenzüchter der Stadt. Ein Erbe, das die Stadt nur zu froh ist, wiederentdeckt zu haben, in Angesichts des 17. Weltkongress der Rosengesellschaften, das im Juni 2015 zum ersten Mal – und wohlverdient – in Lyon statt finden wird.